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Wenn man den ganzen Schrank voll mit geilem Vinyl hat, aber seine Musik auch unterwegs auf seinem fancy iPod hören will, dann muss man die schwarzen Scheiben irgendwie digitalisieren und im MP3-Format (oder OGG falls man das bevorzugt, ich bezieh mich aber nur auf MP3) speichern. Und genau das will ich hier beschreiben.
Voraussetzungen: Es ist übrigens ratsam die Schallplatte vor dem digitalisieren einmal mit einer Schallplatten-Bürste zu reinigen, je staubfreier die Platte ist, desto besser gelingt die Aufnahme. In meiner Anleitung gehe ich übrigens davon aus, daß ihr Windows benutzt, aber die Linuxer und Apple-Nutzer (für beide Betriebssysteme gibt es Audacity ebenfalls) können sich auch an der Anleitung orientieren, müssen halt nur bei Betriebssystem-spezifischen Sachen ein wenig mitdenken.
1.) LAME Ladet euch LAME herunter (Link siehe oben) und entpackt es in ein Verzeichnis eurer Wahl. 2.) Audacity installieren und einrichten Ladet euch Audacity herunter und installiert es. Nach der Installation müsst ihr es starten und dann auf "Bearbeiten->Einstellungen" klicken. In dem dann erscheinenden Fenster müsst ihr erst auf den Reiter "Dateiformate" und dann auf die Schaltfläche "Suche Bibliothek" klicken.
Dann zu der in Schritt eins entpackten lame_enc.dll navigieren, diese auswählen und mit "OK" bestätigen. 3.) Plattenspieler anschließen
Zuerst müsst ihr euren Plattenspieler an den Rechner anschließen. Falls ihr einen Plattenspieler ohne eingebauten Vorverstärker/Entzerrer habt, wenn er also an eurer Stereoanlage am Phono-Anschluss angeschlossen ist, dann braucht ihr einen solchen Vorverstärker/Entzerrer, manchmal auch Preamp genannt. Den gibts ab ca. 25 EUR und auch deutlich teurer, die teureren klingen hörbar besser, das macht aber nur Sinn, wenn auch der Plattenspieler und die Soundkarte hochwertig sind. Ansonsten könnt ihr euren Plattenspieler direkt anschließen. Verbindet also eurern Plattenspieler mit der Soundkarte, und zwar mit dem Line-In. Der Line-In ist die blaue Buchse an der Soundkarte. Bei Notebooks gibt es eine solche Buchse oft nicht, dort müsst ihr die Mikrofon-Buchse (oftmals rosa) nehmen. [Update] Ein vorbildlicher Leser hat mich darauf hingewiesen, daß es einen einfacheren Weg gibt, seinen Plattenspieler (wenn er keinen eingebauten Vorverstärker/Entzerrer hat) an den Rechner anzuschließen. Ihr braucht in dem Fall keinen separaten Preamp, ihr könnt den Plattenspieler einfach an eurer Anlage belassen und den Kopfhörerausgang des Verstärkers bzw. der Stereoanlage mit dem Line-In der Soundkarte verbinden. Anschließend solltet ihr zum Einpegeln eine Probeaufnahme fahren, wie in Kapitel 5 beschrieben. Diese Vorgehensweise hat neben dem eingesparten Preamp außerdem noch den Vorteil, daß ihr euren HIFI-Turm nicht auseinanderpflücken müsst. [/Update] 4.) Audioquelle auswählen So, bevor es wirklich ans aufnehmen geht, müsst ihr noch dem PC noch mitteilen, von welcher Quelle (eurem Plattenspieler natürlich) er aufnehmen soll. Da mein PC einen Realtek-Audio-Chip hat, wähle ich den aus und zwar dessen Eingang (logisch, der Sound soll ja in den Computer rein). Die Einstellung kann bei eurem Rechner natürlich anders aussehen, im Zweifelsfall einfach mal ein bisschen rumprobieren. Außerdem soll die Aufnahme natürlich in Stereo erfolgen, daher müsst ihr "2 (Stereo)" bei "Kanäle" auswählen. Wenn ihr während der Aufnahme hören wollt, was ihr aufnehmt, dann müsst ihr zudem noch das Häkchen bei "Software Playthrough" setzen. Die Einstellungen findet ihr wie in Schritt 2 unter "Bearbeiten->Einstellungen", nur das diesmal der Reiter "Audio E/A" der Reiter eurer Wahl sein sollte.
5.) Aufnehmen Jetzt kanns ans Aufnehmen gehen. Bevor die eigentliche Aufnahme startet, empfehle ich, eine Probeaufnahme zu machen. Zum einen könnt ihr damit überprüfen, ob die Verkabelung und Einstellungen korrekt sind. Außerdem könnt ihr dann noch den Pegel der Aufnahme einstellen. Das ist nicht ganz unwichtig, denn ist die Aufnahme zu leise, muss hinterher alles lauter gemacht werden und damit werden auch die Störgeräusche lauter. Ist die Aufnahme zu laut, werden die "Spitzen" abgeschnitten und die Aufnahme klingt hinterher unschön. Also klickt den runden, roten Aufnahmebutton in Audacity und werft dann euren Plattenspieler an. Nach kurzer Zeit solltet ihr in Audacity sehen, wie sich die Tonspur füllt. Passiert nichts obwohl die Musik längst laufen sollte, habt ihr irgendwo etwas falsch gemacht. Ihr solltet dann die Verkabelung und Einstellungen nochmal prüfen. Füllt sich die Tonspur, müsst ihr noch den Pegel justieren. Einige Soundkarten liefern ein Tool mit, mit dem man das machen kann, bei anderen müsst ihr den Recording-Mixer bemühen. Probiert ein bisschen rum, ihr schafft das schon. Ein korrekt justierter Pegel sieht in etwa aus wie der auf dem folgendem Screenshot:  Habt ihr den Pegel zu eurer Zufriedenheit eingestellt, könnt ihr die Aufnahme über den Stop-Button beenden, jetzt wirds Zeit für die richtige Aufnahme. Also Plattenspieler auf null, die Test-Spur in Audacity schließen und nochmal auf den Aufnahme-Button klicken. Dann den Plattenspieler wieder anwerfen und los geht die Aufnahme. Diesmal lasst ihr die ganze Seite durchlaufen und beendet dann die Aufnahme über den Stop-Button. Jetzt habt ihr eine ganze Seite einer Schallplatte digitalisiert. Diese könnt ihr jetzt noch klanglich ein wenig bereinigen, in einzelne Lieder aufteilen und dann als MP3 speichern. 6.) Rauschen entfernen Ein gewisses Grundrauschen lässt sich beim Aufnehmen von Schallplatten nicht vermeiden, aber das könnt ihr gottseidank entfernen. Es sei denn ihr steht auf Lo-Fi und findet den trashigen Sound cool. Dann könnt ihr diesen Abschnitt überspringen. Scrollt also zum Anfang der aufgenommenen Datei. Habt ihr anfangs erst die Aufnahme gestartet und dann den Plattenspieler, dann seht ihr relativ am Anfang einen starken Ausschlag. Das ist Punkt, an dem die Nadel auf das Vinyl augesetzt hat. Anschließend kommt ein sehr ruhiger Bereich, bevor dann die Musik losgeht. Diesen ruhigen Bereich markiert ihr. Das muss nicht allzu genau passieren, nur zu klein sollte der markierte Bereich nicht sein und keine größeren Ausschläge enthalten:
Anschließend klickt ihr auf "Effekt->Rauschentfernung" und dort auf "Rauschprofil ermitteln". Audacity berechnet jetzt aus dem markierten Bereich ein Rauschprofil, wie der Name der Funktion auch schon sagt. Anschließend markiert ihr die komplette Aufnahme und öffnet wie gerade das Fenster für die Rauschentfernung. Nur wählt ihr dieses mal nicht "Rauschprofil ermitteln" sondern "Rauschentfernung". Jetzt rechnet Audacity eine Weile rum, bei schwachbrüstigen Rechner können da schonmal ein paar Minuten zusammenkommen. 7.) In einzelne Leider aufteilen und exportieren Wenn ihr mittels der Minus-Schaltfläche oben rechts aus der Aufnahme rauszoomt, könnt ihr die einzelnen Lieder relativ deutlich erkennen. Klickt jetzt auf eine Stelle knapp vor dem ersten Song und drückt "STRG+B". Audacity legt jetzt eine Textspur an und markiert die Stelle mit einem kleinen Fähnchen. Diese Textspur steuert später das Aufteilen der Datei. Danach arbeitet ihr euch durch die Aufnahme durch und positioniert den Cursor in der Schnittstelle zwischen einem Lied und dem nächsten und drückt jeweils "STRG+B". Auch nach dem letzten Lied solltet ihr eine solche Markierung anlegen. Es ist dabei hilfreich, immer mal wieder rein- und rauszuzoomen und auch mal die Stellen anzuhören, damit ihr auch die richtige Postion erwischt. Habt ihr alle Fähnchen gesetzt, wählt "Datei->Mehrere Dateien exportieren...". In dem neuen Fenster wählt ihr dann die Einstellungen wie auf dem Screenshot. Für das Export-Verzeichnis könnt ihr natürlich ein Verzeichnis eurer Wahl nehmen. 
In das Feld "Erster Teil des Dateinamens:" könnt irgendeine Bezeichnung eurer Wahl eingeben, den Bandnamen etwa. Dann auf "Exportieren" klicken und Audacity fragt euch evtl. noch nach ID3-Informationen, so ihr MP3 als Exportformat gewählt habt. Ist Audacity fertig mit exportieren, so liegen in eurem Exportverzeichnis eure einzelnen Lieder. Wenn ihr die Fähnchen richtig gesetzt habt, solltet ihr dort eine Datei mehr haben, als Lieder auf der digitalisierten Schallplattenseite sind. Die letzte Datei könnt ihr löschen, das ist lediglich der Rest vom letzten Fähnchen bis zum Ende der Aufnahme. Jetzt müsst ihr die Datei nur noch mit eurem Lieblings-Taggingwerkzeug taggen und anschließend die zweite Seite der Platte digitalisieren. Das Ganze ist ein nicht ganz unerheblicher Aufwand, aber es lohnt sich. Trotzdem ist es lobenswert, dass immer mehr Labels dazu übergehen ihren Schallplatten CDs oder Download-Codes mitzugeben, so daß man sich das mühselige digitalisieren sparen kann. |